Wenn Schüler zu mir in den Unterricht kommen, fragen sie mich fast immer dasselbe: „Wie spiele ich eigentlich Akkorde?“ Es ist eine der wichtigsten Fragen, die ein Anfänger am Klavier stellen kann – denn wer Akkorde versteht, kann sehr schnell erste Songs begleiten.
In mehr als 30 Jahren als Klavierlehrer habe ich gesehen, wie viel mit wenigen Griffen möglich ist. Die gute Nachricht: Du brauchst keine Hunderte von Akkorden. Als Anfänger am Klavier reichen dir am Anfang genau sieben Klavierakkorde, um deine Lieblingslieder zu spielen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie diese sieben Akkorde aufgebaut sind, wie du sie richtig spielst und wie du damit schon bald deine ersten Songs begleitest.
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Was sind Akkorde?
Fangen wir mit dem einfachsten Akkord an, dem Dreiklang. Es ist ein Akkord, der aus drei Tönen besteht. Wir werden aber nicht drei beliebige Töne wählen, sondern unsere Töne einer Tonleiter entnehmen.
Die einfachste Tonleiter auf dem Klavier ist die C-Dur Tonleiter. Falls du dich noch nie mit Tonleitern auf dem Klavier beschäftigt hast, dann lies zuerst meinen Artikel „Tonleitern auf dem Klavier spielen“.

Wie wird die C-Dur Tonleiter auf dem Klavier gespielt? Sie besteht aus den Tönen C, D, E, F, G, A, H, C und ist die einzige Dur-Tonleiter, die nur mit weißen Tasten gespielt wird.

Als erstes zeige ich dir, wie du aus der C-Dur Tonleiter auf einfache Weise eine C-Dur Dreiklang ableiten kannst.
Dreiklänge haben drei Töne und werden von unten nach oben aufgebaut. Sie bestehen aus dem Grundton, der Terz und der Quinte.
Der unterste Ton heißt Grundton und gibt dem Akkord den Namen. Wenn wir also einen C-Dur Akkord spielen wollen, bauen wir den Akkord über dem Ton „C“ auf.

Der mittlere Ton des Dreiklangs heißt Terz. Du findest die Terz auf dem dritten Ton der Tonleiter, dem „E“.
Der oberste Ton eines Dreiklangs heißt Quinte. Mit ihr wird der Dreiklang klanglich geschlossen. Du findest die Quinte auf dem fünften Ton der Tonleiter, dem „G“.
Wenn du jetzt die drei Tasten C, E und G zusammen anschlägst, spielt du einen C-Dur Akkord.
Was ist ein Dur-Akkord?
Warum hast du jetzt einen C-Dur Akkord gespielt und keinen C-Moll Akkord? Das hängt einzig und allein nur vom mittleren Ton ab, der Terz.
Diese Terz bestimmt, ob der Akkord ein Dur-Akkord oder ein Moll-Akkord ist. Dur-Akkorde und Moll-Akkorde klingen unterschiedlich. Ein Dur-Akkord klingt hell und fröhlich, ein Moll-Akkord dagegen dunkel und traurig.
Wir wollen uns hier nicht zu allzu tief mit der Musiktheorie beschäftigen. Es ist aber wichtig, dass du einen den Unterschied zwischen einer großen Terz und einen kleinen Terz kennst.
Die große Terz ist vier Halbtöne vom Grundton entfernt und wird für den Dur-Akkord verwendet. Bei der kleinen Terz sind es drei Halbtöne und sie ist der mittlere Ton des Moll-Akkordes.

Was ist ein Moll-Akkord?
Wenn du einen Moll-Akkord spielen möchtest, musst du also nur einen Ton verändern, die Terz.
Um einen Dur-Akkord in einen Moll-Akkord zu verwandeln, benutzt du statt der großen Terz einfach die kleine Terz.

Und das Umgekehrte gilt natürlich auch: Um einen Moll-Akkord in einen Dur-Akkord zu verwandeln, ersetzt du die kleine Terz durch eine große Terz.
Die 7 wichtigsten Klavier Akkorde spielen
Du weißt jetzt, wie Dur- und Moll-Akkorde aufgebaut sind. Damit hast du die wichtigste Grundlage, die du als Anfänger für Klavierakkorde brauchst. Jetzt geht es ans Eingemachte: Wir spielen die sieben Akkorde der C-Dur Tonleiter durch – einen nach dem anderen.
Wir werden jetzt die Töne der C-Dur Tonleiter als unsere Ausgangsbasis benutzen. Jeden der Töne werden wir der Reihe nach als Grundton wählen und über jedem Grundton einen Akkord bilden.
Das Prinzip dabei ist ganz einfach. Wir werden nur Töne aus der C-Dur Tonleiter verwenden, also nur weiße Tasten benutzen. Und wir werden die Töne so verwenden, dass wir nie zwei Töne nebeneinander spielen, sondern immer einen Ton überspringen.
Also, los geht´s!
Klavier Akkord 1: Der C-Dur Akkord
Der Grundton ist das C, die Terz ist das E und die Quinte das G. Der C-Dur Akkord ist also aus den Tönen C, E, G zusammengesetzt. Wie wird der Akkord gespielt?

Hier spielt es eine Rolle, ob du den Akkord mit der rechten oder der linken Hand spielst. Du verwendest dann jeweils einen anderen Fingersatz.
Spiele mit dem richtigen Fingersatz
Es ist wichtig, dass du beim Üben der Akkorde immer denselben Fingersatz wählst. Nur so kannst du erreichen, dass du die Akkorde automatisierst und schon bald nicht mehr überlegen musst, wie die einzelnen Akkorde zu spielen sind.
Für die linke Hand sieht der Fingersatz so aus: Kleiner Finger auf das C, Mittelfinger auf das E und Daumen auf das G. Versuche jetzt den Akkord so gleichmäßig wie möglich zu spielen, so dass er schön und rund klingt.
Für die rechte Hand wählst du am besten diesen Fingersatz: Daumen auf das C, Mittelfinger auf das E, kleiner Finger auf das G.
Klavier Akkord 2: Der D-Moll Akkord
Als nächstes bilden wir den Akkord über dem Ton D.
Der Grundton ist D, die Terz F und die Quinte A. Jetzt spiele bitte den Akkord auf deinem Piano, indem du denselben Fingersatz wie beim C-Dur Akkord wählst.
Welcher Akkord ist dabei entstanden? Stimmst du mir zu, dass der neue Akkord anders klingt, als der C-Dur Akkord, den du gerade gespielt hast? Er klingt doch trauriger und melancholischer, oder?
Was du gerade gespielt hast, ist ein D-Moll Akkord. Und warum ist es ein Moll-Akkord und nicht wieder ein Dur-Akkord? Richtig, weil zwischen dem D und dem F nur eine kleine Terz liegt, also drei Halbtonschritte. Und das macht den Akkord zu einem Moll-Akkord.

Klavier Akkord 3: Der E-Moll Akkord
Lass uns jetzt den Akkord auf der nächsten Stufe der Tonleiter bilden, dem E.
Als Grundton wählen wir das E, die Terz ist G und die Quinte H. Welcher Akkord ist dabei entstanden?
Richtig, ein Moll-Akkord. Denn auch hier finden hier eine kleine Terz, diesmal zwischen E und G. Du hast als den E-Moll Akkord kennengelernt.
Spiele ihn mit der linken und auch mit der rechten Hand so oft, bis du ihn sehr gleichmäßig hinbekommst. Nimm dabei den gleichen Fingersatz wie beim C-Dur Akkord und beim D-Moll Akkord.

Klavier Akkord 4: Der F-Dur Akkord
Als nächstes kommen wir zum F-Dur Akkord. Er besteht aus den drei Tönen F, A und C.
Diesmal ist wieder ein Dur-Dreiklang entstanden und du weißt auch warum. Es liegt daran, dass zwischen dem F und A eine große Terz liegt, also vier Halbtonschritte. Zähl doch mal nach!
Auch den F-Dur Akkord solltest du jetzt schon mal einüben, den Fingersatz kennst du ja unterdessen schon von den anderen Akkorden.

Klavier Akkord 5: Der G-Dur Akkord
Es geht weiter auf der nächsten Stufe der Tonleiter, dem G. Spiele das G, das H und das D.
Das ist der G-Dur Akkord.

Klavier Akkord 6: Der A-Moll Akkord
Als nächstes bauen wir den Akkord über dem A auf. Der Dreiklang besteht aus den Tönen A, C und E. Wenn du diesen Akkord spielst, hörst du vielleicht schon, dass hier wieder ein Moll-Akkord entstanden ist: Der A-Moll Akkord.

Klavier Akkord 7: Der verminderte H-Akkord
Und nun sind wir beim letzten Ton der C-Dur Tonleiter angelangt. Der siebte Akkord besteht aus den Tönen H, D und F.
Ist hier ein Moll-Akkord oder ein Dur-Akkord entstanden? Weder noch. Wenn du die Tonabstände abzählst, siehst du, dass dieser Akkord aus zwei kleinen Terzen besteht. Sowohl zwischen H und D als auch zwischen D und F liegen jeweils drei Halbtonschritte. Die Quinte ist dabei um einen Halbton verkleinert – deshalb heißt sie verminderte Quinte. Und ein Akkord mit zwei kleinen Terzen wird vermindert genannt.
Aus meiner Erfahrung als Klavierlehrer kann ich dir sagen: In deinen ersten Wochen und Monaten wirst du diesen Akkord in der Praxis kaum begegnen. Er klingt sehr spannungsgeladen und wird vor allem in der klassischen Musik oder im Jazz eingesetzt. Trotzdem lohnt es sich, ihn zu kennen – denn er vervollständigt das System der C-Dur Tonleiter und zeigt dir, dass nicht alle Akkorde einfach Dur oder Moll sind.
Spiel ihn ruhig einmal durch, mit demselben Fingersatz wie bei den anderen Akkorden. Du musst ihn im Moment noch nicht auswendig lernen.

Akkordwechsel üben – der entscheidende nächste Schritt
Du kennst jetzt alle sieben Akkorde. Aber mal ehrlich: Einen einzelnen Akkord zu greifen ist noch keine Musik. Erst wenn du flüssig von einem Akkord zum nächsten wechselst, klingt es nach einem echten Song.
Genau dieser Wechsel ist das, woran meine Schüler am meisten üben müssen – und das ist völlig normal. Die Finger müssen lernen, die neue Position zu finden, ohne dass du bewusst nachdenken musst.
Fang mit dem einfachsten Wechsel an: C-Dur zu G-Dur. Spiele C-Dur, halte ihn kurz, und bewege dann die Finger ruhig und kontrolliert zur neuen Position. Kein Hetzen. Wenn der Wechsel sitzt, füge A-Moll dazu, dann F-Dur. So baust du Schritt für Schritt die Akkordfolge auf, die du im nächsten Abschnitt kennenlernen wirst.
Drei Tipps aus meinem Unterricht, die wirklich helfen:
- Übe langsam. Ein sauberer, langsamer Wechsel bringt dich schneller ans Ziel als ein hektischer, unsauberer.
- Nutze ein Metronom. Schon ein ganz langsames Tempo von 50 bis 60 Schlägen pro Minute reicht am Anfang völlig aus.
- Kurze, regelmäßige Einheiten sind effektiver als eine lange Übungssession pro Woche. Mehr dazu erfährst du in meinem Artikel Klavier üben – 7 Tipps für schnelle Fortschritte.
Wenn du wissen möchtest, wie du Akkorde systematisch in einen strukturierten Lernplan einbaust, empfehle ich dir meinen 30-Tage-Startplan für Klavieranfänger.

Klavier Akkorde mit Akkordsymbolen notieren
Du kennst jetzt die sieben wichtigsten Akkorde. Aber du weißt noch nicht, wann du welchen Akkord in einem einem bestimmten Lied spielen sollst.
Akkorde werden meist in einer Kurzform über den Notenlinien notiert. Dazu werden ganz bestimmte Akkordsymbole verwendet.
Akkordsymbole für Dur-Akkorde
Die Symbole für die Dur-Akkorde sehen so aus:
Cmaj C C△
Die Abkürzung „maj“ steht für „major“ und bedeutet groß. Gemeint ist damit, dass hier die große Terz verwendet wird.
Akkordsymbole für Moll-Akkorde
Die Symbole für Moll-Akkorde sehen so aus:
Cmin Cm C-
Die Abkürzung „min“ steht für „minor“ und bedeutet klein. Klar, dass damit die kleine Terz gemeint ist.
Lieder mit Akkordsymbolen spielen
Du weißt jetzt alles, um deine ersten Song mit Akkorden zu begleiten. Versuch dich doch mal an
Du hast jetzt schon drei Dur-Akkorde kennengelernt. Es sind die wichtigsten Akkorde, die du brauchst, wenn du ein Lied in C-Dur spielen möchtest. Mit dem C-Dur Akkord, dem F-Dur Akkord und dem G-Dur Akkord kannst du jedes Lied in C-Dur begleiten.

Versuch es doch mal mit diesem bekannten Song Oh When The Saints Go Marching In. Die Melodie spielst du dabei mit der rechten , die Akkorde mit der linken Hand. Zur Begleitung benutzt die drei Dur-Akkorde, die du weiter oben gelernt hast. Probiere es einfach mal aus.
Mit 4 Klavier Akkorden Hunderte von Songs begleiten
Die meisten bekannten Lieder enthalten nur wenige Akkorde. Um deine Lieblingssongs auf dem Klavier zu spielen, musst du also nicht Hunderte von Akkorden lernen.
Es gibt eine Verbindung von 4 Akkorden, mit denen du Hunderte von Songs begleiten kannst:
C-Dur | A-Moll | F-Dur | G-Dur
Das ist kein Zufall. Diese vier Akkorde erzeugen zusammen eine harmonische Spannung, die auf das menschliche Gehör seit jeher angenehm wirkt. Als Anfänger kannst du damit sofort echte Musik machen – und das ist genau das Ziel.
Viele berühmte Songschreiber haben diese Akkordfolge benutzt – und das seit Jahrzehnten. Ein paar Beispiele, die du vielleicht kennst:
„Perfect“ von Ed Sheeran
„Perfect“ von Ed Sheeran – einer der bekanntesten Songs der letzten Jahre, aufgebaut auf genau dieser Folge.
Es gibt eine Verbindung von 4 Akkorden, mit denen du Hunderte von Songs begleiten kannst:
C-Dur | A-Moll | F-Dur | G-Dur
Viele berühmte Songschreiber haben die Geheimformel schon benutzt. Ein Beispiel gefällig? Hier ist der Anfang von Ed Sheerans Perfect.

So bekommst du die Noten von Ed Sheerans “Perfect”
Du möchtest den ganzen Song „Perfect“ von Ed Sheeran spielen. Das ist eine gute Gelegenheit diese Geheimformel vieler erfolgreicher Songs auszuprobieren.
Bei Sheet Music Direct bekommst du verschiedene Versionen des Stückes. Du erhältst jeweils die interaktive als auch die PDF-Version. Beide Versionen können auf allen Geräten wie Computer, Smartphones & Tablets angezeigt und auch ausgedruckt werden.
Besonders empfehlenswert sind diese Ausgaben:
„Let It Be“ von den Beatles
„Let It Be“ von den Beatles – vier Akkorde, eine der bekanntesten Melodien der Musikgeschichte. Wer diesen Song begleiten kann, hat einen großen Schritt gemacht.
„Let It Be“ von den Beatles – mit vier Akkorden lässt sich das ganze Lied begleiten, eine der bekanntesten Melodien der Musikgeschichte. Wer diesen Song begleiten kann, hat einen großen Schritt gemacht.
Du möchtest ihn direkt ausprobieren? In meinem Artikel „Let it Be“ – einfache Noten für Klavier findest du kostenlose Noten zum Herunterladen. Und wenn du weitere Songideen für den Einstieg suchst, lohnt sich ein Blick auf meine einfachen Klavierstücke für Anfänger.
„Knockin‘ on Heaven’s Door“ von Bob Dylan
„Knockin‘ on Heaven’s Door“ von Bob Dylan – ruhig, eingängig und mit dieser Akkordfolge wunderbar auf dem Klavier spielbar. Hier findest du eine leichte Version von „Knockin‘ on Heaven’s Door“ für Klavier (Klavier solo mit Text).
Vom ersten Akkord zum ersten Song
Du kennst jetzt die sieben wichtigsten Akkorde, weißt wie du sie aufbaust, und hast eine Akkordfolge in der Hand, mit der du sofort echte Songs begleiten kannst. Das ist mehr, als die meisten Anfänger nach ihren ersten Wochen am Klavier erreichen.
Der nächste Schritt ist einfach: Setz dich ans Klavier und spiel. Nicht perfekt, nicht schnell – einfach drauflos. Die Akkorde werden mit jeder Übungseinheit sicherer, und schon bald wechselst du zwischen ihnen, ohne nachzudenken.
Wenn du wissen möchtest, wie du von hier aus systematisch weiterlernen kannst, empfehle ich dir meinen 30-Tage-Startplan für Klavieranfänger. Er zeigt dir Tag für Tag, wie du die Akkorde festigst und dein erstes richtiges Stück einstudierst.
Spielst du eher Keyboard als Klavier? Dann findest du in meinem Artikel Keyboard Akkorde – Die wichtigsten Griffe für Einsteiger eine passende Ergänzung dazu.