Die Kawai CN-Serie gehört mit den aktuellen Modellen Kawai CN-201 und Kawai CN-301 zu den besten Homepiano-Pianos ihrer Preisklasse.
In diesem Vergleich stelle ich dir beide Modelle vor und erkläre, worin sie sich unterscheiden.
Als Klavierlehrer mit über 30 Jahren Unterrichtserfahrung interessiert mich dabei vor allem eine Frage: Was taugen die beiden Modelle zum ernsthaften Üben?
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Die Kawai CN-Serie: Homepianos der gehobenen Mittelklasse
Die CN-Serie ist Kawais Antwort auf die Frage, wie nah ein Digitalpiano einem echten Klavier kommen kann – bei kompaktem Format und Wohnzimmertauglichkeit. Beide Modelle stecken in einem schön verarbeiteten Holzgehäuse und sind in den Farben Schwarz, Weiß und Rosenholz erhältlich.
Das CN-201 erschien 2022 als Nachfolger des CN-29, das CN-301 als Nachfolger des CN-39. Beide bringen gegenüber ihren Vorgängern eine verbesserte Tastatur, Bluetooth Audio und eine neue Klanganpassungsfunktion für leises Üben mit.

Die Tastatur: Responsive Hammer III
Das Herzstück beider Modelle ist die Responsive Hammer III-Tastatur (RHIII). Sie ist aus meiner Sicht eine der besten Tastaturen, die es aktuell in dieser Preisklasse gibt.
Die RHIII-Tastatur arbeitet mit einem Dreifach-Sensorsystem, das schnelle Wiederholungen und feine Anschlagsunterschiede sehr präzise erfasst. Wer Triller übt, schnelle Läufe spielt oder im Pianissimo-Bereich differenziert artikulieren möchte, merkt das sofort. Die Tasten sind abgestuft gewichtet: im Bass schwerer, im Diskant leichter – genau wie bei einem echten Konzertflügel. Die Ivory-Touch-Oberfläche der Tasten fühlt sich leicht griffig an und verhindert ein Wegrutschen der Finger auch bei längerem Spielen.
Mit der 2022er-Generation wurde die Mechanik nochmals überarbeitet. Die Tastenführung ist präziser, und die neue Dämpfung sorgt dafür, dass die Tastatur deutlich leiser arbeitet als beim Vorgängermodell. Wer in einer Wohnung lebt oder abends übt, wird das zu schätzen wissen.
Wichtig zu wissen: CN-201 und CN-301 haben in diesem Punkt identische Tastaturen. Wer also glaubt, mit dem teureren Modell eine bessere Mechanik zu bekommen, liegt falsch. Das Spielgefühl ist bei beiden gleich.
Einen vollständigen Überblick über alle Kawai Tastaturen und Hammermechaniken findest du in unserem Ratgeber.

Der Klang: Shigeru Kawai SK-EX als Vorbild
Beim Klang teilen sich beide Modelle ebenfalls die Grundlage: Kawais Progressive Harmonic Imaging-Technologie (PHI) mit vollständigem 88-Tasten-Sampling. Als Klangreferenz dienen bei beiden Modellen echte Kawai-Konzertflügel – allen voran der Shigeru Kawai SK-EX, Kawais Flaggschiff-Instrument, das weltweit auf Konzertsälen gespielt wird.
Das Ergebnis ist ein Klang, der bei leisen Passagen transparent und weich klingt und bei kräftigen Akkorden Wärme und Fülle entwickelt. Der Dynamikumfang von Pianissimo bis Fortissimo ist gut abgestuft, was ich beim Unterrichten für sehr wichtig halte: Schüler sollen von Anfang an lernen, dass Lautstärke und Klangfarbe eng zusammenhängen – und ein Instrument, das das abbildet, ist dafür die Voraussetzung.
Das CN-201 bietet 19 Klänge, darunter neben den Klavierklängen auch Vintage E-Pianos, Orgeln, Streicher und weitere Sounds. Das CN-301 kommt auf 45 Klänge und bietet damit deutlich mehr Auswahl.

Der größte Unterschied: das Lautsprechersystem
Hier trennen sich die beiden Modelle spürbar. Das CN-201 arbeitet mit zwei nach unten abstrahlenden Lautsprechern. Das CN-301 setzt auf ein erweitertes System mit zusätzlichen nach oben gerichteten Lautsprechern und 360-Grad-Diffusoren.
Das klingt nach einem technischen Detail – ist aber im Alltag deutlich hörbar. Die 360-Grad-Abstrahlung sorgt dafür, dass sich der Klang im Raum ausbreitet, anstatt nur nach vorne oder unten zu strahlen. Das CN-301 klingt dadurch voller, räumlicher und transparenter. Diese Technik hat sich das CN-301 von den größeren Modellen der Kawai CA-Serie abgeschaut.
Wer überwiegend mit Kopfhörern übt, spielt dieser Unterschied keine Rolle. Wer aber das Piano als Möbelstück im Wohnzimmer nutzt und Wert auf ein beeindruckendes Klangerlebnis im Raum legt, wird den Unterschied zwischen CN-201 und CN-301 deutlich hören.
Beide Modelle bieten außerdem Spatial Headphone Sound (SHS) für ein räumliches Klangerlebnis beim Spielen mit Kopfhörer. Das CN-301 ergänzt das noch um die Funktion „Phones Type“, mit der sich der Klang an verschiedene Kopfhörertypen anpassen lässt.

Polyphonie und Ausstattung
Ein weiterer technischer Unterschied liegt in der Polyphonie: Das CN-201 bietet 192 Stimmen, das CN-301 ist mit 256 Stimmen ausgestattet. Im normalen Spielbetrieb ist dieser Unterschied kaum hörbar. Wer aber viel mit dem Haltepedal arbeitet, komplexe Akkordverbindungen spielt oder Schichten aus mehreren Sounds aufbaut, profitiert von der höheren Polyphonie des CN-301.
Das CN-301 bietet außerdem deutlich mehr Aufnahmemöglichkeiten. Während das CN-201 einen einfachen Recorder für bis zu drei Songs mitbringt, verfügt das CN-301 über einen 16-Spur-MIDI-Recorder mit Loop-Funktion und ermöglicht Audio-Aufnahmen direkt auf einen USB-Stick im WAV- oder MP3-Format. Für alle, die ihr Spiel aufnehmen und gezielt auswerten wollen, ist das ein echter Vorteil.

Bedienung und Konnektivität
Beide Modelle haben ein neu gestaltetes Bedienfeld mit OLED-Display. Das CN-201 kommt mit einem 2,5-Zoll-Display, das CN-301 mit einem etwas größeren Bildschirm und einem aufgewerteten Bedienpanel.
Beide Instrumente sind mit Bluetooth MIDI und Bluetooth Audio ausgestattet. Das bedeutet: Mit Bluetooth Audio lässt sich Musik direkt vom Smartphone oder Tablet über die Lautsprecher des Pianos abspielen – praktisch, um zu Playbacks mitzuspielen oder Lern-Apps zu nutzen. Bluetooth MIDI ermöglicht die drahtlose Verbindung mit Kawais PianoRemote-App, über die sich Sounds editieren, Layer-Sounds einrichten und Lesson-Songs aufrufen lassen.

Lernfunktionen aus Lehrerperspektive
Beide Modelle kommen mit einer integrierten Lesson-Funktion. Das CN-201 bietet Übungsstücke aus den gängigen Lehrwerken von Beyer, Czerny, Burgmüller und Alfred. Das CN-301 erweitert die Sammlung auf über 550 Stücke und ergänzt sie um Bach-Etüden.
Für Schüler, die zu Hause alleine üben, ist das eine hilfreiche Funktion: Sie können Tempo und Handwechsel selbst einstellen und ihren Fortschritt kontrollieren. Ich empfehle das ergänzend zum Unterricht – als Ersatz für einen Lehrer taugt es natürlich nicht.
Ebenfalls praktisch: der Vierhand-Modus. Dabei wird die Tastatur in zwei Hälften mit identischem Tonumfang aufgeteilt. Im Unterricht nutze ich das regelmäßig, um direkt neben meinen Schülern in derselben Oktavlage vorspielen zu können. Das CN-301 bietet zusätzlich eine Split-Funktion, die beim CN-201 nur über die App zugänglich ist.
Schließlich ist auch der Virtual Technician bei beiden Modellen an Bord – eine Funktion, mit der sich Klangeigenschaften wie Anschlagdynamik, Intonation, Saitenresonanz und Dämpfergeräusche über Schieberegler individuell einstellen lassen. Das ist für Pianisten interessant, die ihren Sound gezielt anpassen wollen.

CN-201 oder CN-301: Für wen eignet sich welches Modell?
Das CN-201 ist die richtige Wahl für alle, die ein hochwertiges Homepiano suchen, ohne für Extras zu bezahlen, die sie nicht brauchen. Tastatur und Klang sind identisch mit dem CN-301. Wer überwiegend mit Kopfhörern übt, in einer kleinen Wohnung wohnt oder einfach ein zuverlässiges Instrument zum täglichen Spielen und Üben möchte, ist mit dem CN-201 sehr gut bedient.
Das CN-301 lohnt sich vor allem, wenn das Klangerlebnis im Raum wichtig ist. Das 360-Grad-Lautsprechersystem macht einen hörbaren Unterschied, wenn man ohne Kopfhörer spielt und den Klang des Instruments wirklich genießen möchte. Hinzu kommen mehr Sounds, eine höhere Polyphonie und erweiterte Aufnahmefunktionen. Wer das Instrument intensiv nutzt und dabei alle Möglichkeiten ausschöpfen möchte, ist mit dem CN-301 besser aufgestellt.
Meine persönliche Einschätzung nach über 30 Jahren als Klavierlehrer: Die Tastatur ist das Entscheidende bei einem Digitalpiano – und hier unterscheiden sich CN-201 und CN-301 nicht. Wer hauptsächlich mit Kopfhörern übt, spart sich den Aufpreis ohne Abstriche beim Spielgefühl.
Wer ein portables Kawai-Digitalpiano sucht, das sich auch für die Bühne eignet, findet in der Kawai ES-Serie eine interessante Alternative.
Wer noch mehr Spielgefühl und Ausstattung sucht, sollte einen Blick auf den Kawai CA-701 werfen – das Einstiegsmodell der Concert-Artist-Serie mit Holztastatur.
CN-201 und CN-301 im direkten Vergleich
| Merkmal | CN-201 | CN-301 |
|---|---|---|
| Tastatur | Responsive Hammer III | Responsive Hammer III |
| Klangerzeugung | PHI, SK-EX + EX | PHI, SK-EX + EX + SK-5 |
| Anzahl Klänge | 19 | 45 |
| Polyphonie | 192 Stimmen | 256 Stimmen |
| Lautsprecher | 2 × 20 W | 2 × 20 W + 360°-Diffusoren |
| Aufnahme | Recorder (3 Songs) | 16-Spur MIDI + Audio (USB) |
| Split-Funktion | Nur via App | Ja (direkt) |
| Vierhand-Modus | Ja | Ja |
| Bluetooth | MIDI + Audio | MIDI + Audio |
| Display | 2,5″ OLED | Größeres OLED |
| Farben | Schwarz, Weiß, Rosenholz | Schwarz, Weiß, Rosenholz |

Die einzelnen Modelle im ausführlichen Test
Wenn du mehr über eines der beiden Modelle erfahren möchtest, findest du hier die ausführlichen Tests:
Alle empfehlenswerten Kawai-Modelle auf einen Blick: Die 8 besten Kawai E-Pianos im Test

Fazit: Kawai CN-Serie überzeugt auf ganzer Linie
Beide Modelle der Kawai CN-Serie gehören zu den besten Homepianos ihrer Preisklasse. Die Responsive Hammer III-Tastatur ist in dieser Preisregion eine der besten verfügbaren Mechaniken, und der Klang des Shigeru Kawai SK-EX-Konzertflügels macht das Üben auch für erfahrene Pianisten zu einem echten Vergnügen.
Wer zwischen CN-201 und CN-301 wählt, entscheidet sich letztlich für oder gegen das erweiterte Lautsprechersystem – und für oder gegen die umfangreichere Ausstattung des CN-301. Das Spielgefühl selbst ist bei beiden identisch, und das ist das, worauf es ankommt.