Die Kawai ES-Serie gehört seit Jahren zu den beliebtesten Reihen im Bereich der portablen Digitalpianos – vom günstigen Einsteigermodell bis zum fast professionellen Bühneninstrument.
Doch wie groß sind die Unterschiede zwischen ES-60, ES-120, ES-520 und ES-920 wirklich, und welches Modell passt zu deinem Spielniveau und Budget?
In diesem Vergleich zeige ich dir die wichtigsten Unterschiede bei Tastatur, Klang, Lautsprechern und Ausstattung – inklusive meiner persönlichen Einschätzung aus über 30 Jahren Unterrichtserfahrung.
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Kawai ES-Serie: Vier Modelle, aber welches passt wirklich zu dir?
Wenn mich Schüler oder Eltern fragen, welches portable Piano sie kaufen sollen, landet die Antwort meistens bei Kawai und speziell bei der ES-Serie. Vier Modelle, eine Linie, aber sehr unterschiedliche Instrumente. Das ES-60 ist aktuell für rund 320 Euro zu haben, das ES-920 kostet das Vierfache. Was steckt dahinter, und lohnt sich der Aufpreis wirklich?
Nach über 30 Jahren Unterrichtserfahrung habe ich eine klare Meinung dazu. In diesem Artikel zeige ich dir, was die vier Modelle unterscheidet und welches ich dir für welche Situation empfehle.
Was alle vier Modelle gemeinsam haben
Bevor ich auf die Unterschiede eingehe: Die ES-Serie teilt eine starke gemeinsame Basis. Alle vier Modelle haben 88 gewichtete Tasten mit graduierter Hammermechanik, nutzen Kawais SK-EX Konzertflügel als Klanggrundlage und sind aus robustem Kunststoff gebaut – leichter als man denkt, haltbarer als es klingt. Alle lassen sich mit dem optionalen Stativ zum stationären Homepiano umrüsten. Bluetooth-Audio und Bluetooth-MIDI sind ab dem ES-120 an Bord; das ES-60 verzichtet darauf.
Was sie unterscheidet, ist entscheidend: die Tastaturtechnologie, das Lautsprechersystem und der Funktionsumfang. Genau dort liegt der Unterschied zwischen einem guten Einstieg und einem Instrument, das einen wirklich voranbringt.
Einen ausführlichen Überblick über alle Kawai Tastaturtechnologien – von RHL bis Grand Feel III – findest du hier:
Kawai ES-Serie – Vergleich
Alle vier Modelle auf einen Blick
| Merkmal | ES-60 | ES-120 | ES-520 | ES-920 |
|---|---|---|---|---|
| Positionierung | Einsteiger | Mittelstufe | Fortgeschritten | Profi |
| Tastaturmechanik | RHLResponsive Hammer Light | RHCResponsive Hammer Compact | RHC II3-Sensor-System | RHIII3-Sensor + Druckpunkt |
| Druckpunktsimulation | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ |
| Ivory Touch | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ |
| Polyphonie | 192-fach | 192-fach | 192-fach | 256-fach |
| Klang-Engine | SK-EX Rendering17 Sounds | SK-EX RenderingSK-EX + EX + Upright | PHISK-EX + EX, 34 Sounds | HI-XLSK-EX + SK-5 + EX, 38 Sounds |
| Lautsprecher | 2 × 10 W20 W gesamt | 2 × 10 W20 W gesamt | 2 × 20 W40 W, Bassreflex | 2 × 20 W40 W, Bassreflex |
| Bluetooth | ✗ | ✓ Audio + MIDI | ✓ Audio + MIDI | ✓ Audio + MIDI |
| Display | ✗ | ✗ | ✓ OLED | ✓ OLED + 4-Band-EQ |
| Begleitautomatik | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ 100 Styles |
| Audio-Recorder | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ MP3/WAV auf USB |
| Gewicht | 11 kg | 12 kg | 14,5 kg | 17 kg |
| Straßenpreis (ca.) | 320 € | 600 € | 900 € | 1.250 € |
Preise können je nach Händler abweichen. Stand: 2026.

Kawai ES-60 – der ehrliche Einstieg
Das ES-60 ist das Einsteigermodell der Serie, und es ist ein ehrliches Instrument – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die RHL-Mechanik (Responsive Hammer Lite) hat 88 gewichtete Tasten mit graduierter Gewichtung: Bass schwerer, Diskant leichter, wie beim echten Flügel. Die mattierten Tastenoberflächen sorgen für guten Grip. Im Vergleich zum ES-120 spielt sich das ES-60 etwas leichtgängiger – ein Vorteil für Kinder und Einsteiger mit noch geringer Fingerkraft.
Den Klang treibt dieselbe SK-EX Rendering Engine an wie in allen anderen Modellen der Serie. Das Ergebnis klingt für den Preis warm und differenziert. 17 Sounds stehen zur Verfügung, darunter E-Pianos, Orgeln und Streicher. Die 192-fache Polyphonie reicht für alles, was Anfänger in den ersten Jahren spielen – auch mit Pedal und im Dual-Modus kein Problem. Das Lautsprechersystem mit 2 × 10 Watt strahlt nach oben zum Spieler ab, was für ein räumliches Klangbild sorgt und fürs Wohnzimmer völlig ausreicht.
Wichtig zu wissen: Das ES-60 hat kein Bluetooth. Wer kabellos mit dem Tablet üben will, braucht das ES-120. Für den Anschluss an Lern-Apps wie PianoRemote oder PiaBookPlayer reicht der USB-Anschluss des ES-60 jedoch aus.
Meine Einschätzung zum ES-60
Das ES-60 eignet sich für Anfänger mit begrenztem Budget und für Gelegenheitsspieler, die ein leichtes, transportables Instrument suchen. Wer wirklich ernsthaft lernen will, dem wird das ES-60 nach zwei bis drei Jahren nicht mehr ausreichen. Wer das von Anfang an weiß und entsprechend plant, kauft gleich das ES-120.
Für Einsteiger mit begrenztem Budget
Die RHL-Mechanik und der SK-EX-Klang machen das ES-60 zu einem ehrlichen Einstiegsinstrument. Wer noch nicht weiß, wie ernst es ihm mit dem Klavierspielen ist, ist hier gut aufgehoben. Kein Bluetooth – wer kabellos mit dem Tablet üben will, sollte das ES-120 wählen.
Passt zu dir, wenn …
- du gerade erst anfängst
- das Budget unter 350 € liegt
- Bluetooth nicht benötigt wird
- leichtes Gewicht Priorität hat

Kawai ES-120 – die vernünftige Wahl für den Unterricht
Das ES-120 trifft in meinen Augen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Serie. Die RHC-Mechanik (Responsive Hammer Compact) ist einen deutlichen Schritt weiter als beim ES-60: bessere Geräuschdämpfung, griffigere Tasten, mehr pianistischer Ausdruck. Wer an Technik arbeitet – saubere Artikulation, dynamische Kontrolle – merkt den Unterschied spürbar.
Klanglich hat Kawai beim ES-120 nachgelegt: Neben dem SK-EX Konzertflügel ist auch der EX-Flügel und – für diese Preisklasse ungewöhnlich – ein echter Upright-Klavierklang an Bord. Das 88-Tasten-Sampling klingt warm, dynamisch und differenziert. Der Lautsprecher (ebenfalls 2 × 10 Watt) wurde gegenüber dem Vorgänger klanglich optimiert und wirkt voller. Für tiefe Bässe gilt: Wer das volle Klangbild will, greift zum Kopfhörer oder zur externen Box.
Was mich im Unterrichtsalltag besonders überzeugt: Bluetooth Audio. Schüler können Playbacks oder Übungsvideos direkt vom Tablet über die Klavierlautsprecher laufen lassen – kein Kabelchaos, kein separater Lautsprecher. Mit 12 kg ist das ES-120 leicht genug, um es zur Probe oder zum Zusammenspiel mitzunehmen.
Meine Einschätzung zum ES-120
Das ES-120 ist meine Empfehlung für engagierte Anfänger bis zur Mittelstufe. Wer das Budget hat, sollte den kleinen Aufpreis gegenüber dem ES-60 investieren – der Unterschied bei Mechanik und Konnektivität ist größer als der Preis vermuten lässt. An der RHC-Tastatur hat man auch bei fortgeschrittenem Spielniveau noch lange Freude.
Für engagierte Lernende – die vernünftige Wahl
Das ES-120 ist mein meistempfohlenes Modell in der Einsteiger- und Mittelklasse. Bessere Mechanik als das ES-60, Bluetooth Audio für den modernen Unterrichtsalltag und Klänge, die auch bei fortgeschrittenem Spielniveau noch motivieren. Wer das Budget hat, sollte das ES-60 überspringen.
Passt zu dir, wenn …
- du ernsthaft lernst
- Bluetooth wichtig ist
- du ein Allrounder-Instrument suchst
- das Budget bei ca. 600 € liegt

Kawai ES-520 – wo das ernsthafte Spielen beginnt
Mit dem ES-520 macht Kawai einen spürbaren Sprung. Die RHC II-Mechanik (Responsive Hammer Compact II) bringt erstmals ein 3-Sensor-System ins portable Segment – drei Sensoren pro Taste bedeuten präzisere Anschlagsdynamik und bessere Repetition. Wer schnelle Tonfolgen oder feinfühlige Pianissimo-Passagen übt, merkt den Unterschied zum ES-120 direkt. Die Gradierung von Bass bis Diskant ist vorhanden, die mattierten Oberflächen bieten auch bei schwitzigen Händen sicheren Halt. Was fehlt: eine Druckpunktsimulation – die gibt es erst beim ES-920.
Klanglich arbeitet das ES-520 mit der PHI-Technologie (Progressive Harmonic Imaging) und 88-Tasten-Sampling. SK-EX und EX Konzertflügel liefern ein detailreiches, dynamisches Klangbild. Über die Virtual Technician Funktion lassen sich Saitenresonanz, Dämpferresonanz und Hammerrückfall individuell einstellen – für Schüler, die anfangen, ihren Klang bewusst zu formen, ein echter Mehrwert. Das OLED-Display macht die Navigation durch 34 Sounds spürbar einfacher als bei den kleineren Modellen ohne Display.
Das Lautsprechersystem mit 2 × 20 Watt (40 Watt gesamt) in Bassreflex-Gehäusen klingt für diese Gerätegröße überraschend voluminös. Mitten und Höhen sind sehr präsent; der Bass hat, wie bei allen Geräten dieser Bauart, physikalische Grenzen.
Meine Einschätzung zum ES-520
Das ES-520 ist die richtige Wahl für Fortgeschrittene, ambitionierte Hobbyspieler und Lehrer, die ein portables Instrument für Hausbesuche oder Workshops suchen. Wer Chopin, Debussy oder anspruchsvollere Sonaten übt, wird den Unterschied zur RHC-Mechanik der kleineren Modelle sofort spüren. Mit 14,5 kg bleibt es mobil genug für Proben und Auftritte.
Für Fortgeschrittene – wo ernsthaftes Spielen beginnt
Das 3-Sensor-System der RHC II-Mechanik ist der entscheidende Schritt gegenüber den kleineren Modellen – präzisere Dynamik, bessere Repetition. Wer Chopin oder Debussy übt, merkt den Unterschied sofort. Das OLED-Display und der kräftige 40-Watt-Lautsprecher mit Bassreflex machen das ES-520 auch als mobiles Bühnen- und Unterrichtsinstrument attraktiv.
Passt zu dir, wenn …
- du fortgeschritten spielst
- anspruchsvolles Repertoire geübt wird
- du ein mobiles Profitool suchst
- das ES-120 nicht mehr reicht

Kawai ES-920 – das Flaggschiff der Serie
Das ES-920 ist das Instrument für alle, die beim portablen Piano keine Kompromisse eingehen wollen. Die RHIII-Mechanik vereint alles, was eine hochwertige Digitalpiano-Tastatur ausmacht: 3-Sensor-System, Druckpunktsimulation (Let-off) und Ivory-Touch-Oberfläche. Das Let-off imitiert das feine Klicken eines echten Flügels beim leisen Tastendrücken – ein Detail, das Pianisten für die Kontrolle im Pianissimo brauchen und das beim ES-920 in dieser Preisklasse einzigartig ist. Die Ivory-Touch-Oberflächen absorbieren Feuchtigkeit und geben auch bei längerem Spiel sicheren Halt.
Klanglich arbeitet das ES-920 mit der HI-XL-Technologie (Harmonic Imaging XL) und 88-Tasten-Sampling. Drei Konzertflügel sind an Bord: SK-EX, SK-5 und EX – insgesamt 38 Sounds. Der eingebaute 4-Band-Graphic-EQ direkt auf dem Bedienfeld erlaubt Echtzeit-Klangangpassungen; zusammen mit dem Virtual Technician ist das die tiefste Klangkontrolle der gesamten ES-Serie. Die 256-fache Polyphonie macht sich bei komplexen Spätromantik-Werken mit intensivem Pedaleinsatz klar bemerkbar.
Das 2 × 20-Watt-System (40 Watt gesamt) sitzt ebenfalls in Bassreflex-Gehäusen und klingt für ein portables Gerät außergewöhnlich voluminös und klar. Was das ES-920 gegenüber dem ES-520 klanglich wirklich abhebt, ist weniger die reine Wattleistung als die HI-XL-Engine in Verbindung mit dem ausgefeilteren Wandler.
Zwei praktische Features schätze ich im Unterrichtsalltag besonders: Der Audio-Recorder speichert Aufnahmen direkt als MP3 oder WAV auf den USB-Stick – Schüler können ihr Spiel aufnehmen und mir zur Korrektur schicken, was im Fernunterricht ein echter Vorteil ist. Die Rhythm Section mit 100 Begleit-Styles schult das Rhythmusgefühl deutlich effektiver als ein simples Metronom.
Meine Einschätzung zum ES-920
Das ES-920 ist die Investition, die sich für anspruchsvolle Schüler, Profis und alle lohnt, die langfristig denken. Der Übergang zum akustischen Instrument im Unterricht oder auf der Bühne gelingt mit dieser Mechanik problemlos. Mit 17 kg ist es das schwerste Modell der Serie – aber immer noch gut tragbar. Wer das Budget hat: einmal kaufen und richtig.
Für Profis und ambitionierte Schüler ohne Kompromisse
Die RHIII-Mechanik mit Druckpunktsimulation ist das Nächste, was ein portables Piano einem echten Flügel bieten kann. Drei Konzertflügel, HI-XL-Engine, 4-Band-EQ, Begleitautomatik und Audio-Recorder auf USB – das ES-920 ist eine langfristige Investition, die vom ersten Schritt bis zum virtuosen Spiel trägt.
Passt zu dir, wenn …
- du keine Kompromisse eingehen willst
- der Druckpunkt für dich wesentlich ist
- du auf der Bühne auftrittst
- du langfristig investieren möchtest

Fazit: Kaufe das Beste, das dein Budget erlaubt
Die ES-Serie ist für mich eine der durchdachtesten Produktlinien im Digitalpiano-Markt. Kawai hat auf keiner Preisstufe Abstriche beim Klang gemacht – das spürt man. Die entscheidenden Unterschiede liegen bei der Tastaturtechnologie und dem Lautsprechersystem. Die Sprünge von ES-120 auf ES-520 und von ES-520 auf ES-920 sind jeweils spürbar größer, als der Preis vermuten lässt.
Was ich nach 30 Jahren Unterricht immer wieder erlebe: Ein gutes Instrument motiviert. Es macht einen Unterschied, ob sich eine Taste natürlich anfühlt oder nicht – besonders für Kinder und Jugendliche in den entscheidenden ersten Monaten. Deshalb mein Rat: Kaufe das Beste, das dein Budget erlaubt.